Das Weinjahr 2024 brachte große Herausforderungen für die Nahewinzer. Viele von ihnen wurden Ende April vom Spätfrost in mehreren aufeinander folgenden Nächten stark gebeutelt. Ein kalter Ostwind ließ die Temperaturen in manchen Lagen auf bis zu -5°C fallen und beschädigte die austreibenden Rebstöcke nachhaltig. An der Oberen und Mittleren Nahe waren die Weinberge am stärksten betroffen. Zwischen Norheim und Monzingen führte der Kälteeinbruch bei einigen Winzern in der Spitze zu mehr als 75 Prozent Ernteausfall, in einzelnen Weinbergen gab es sogar so große Schäden, dass eine Ernte sich nicht mehr lohnte. Auch im Alsenztal konnte man nur sehr geringe Mengen ernten, an der unteren Nahe hielten sich die Frostschäden hingegen in Grenzen. Recht hohe Niederschlagsmengen im Jahresverlauf haben sich zusätzlich negativ auf die Mengen ausgewirkt. So hat man an der Nahe 2024 eine kleine Ernte eingefahren.
Der insgesamt etwas kühlere Jahresverlauf im Vergleich zu den Vorjahren hat frische und eher schlanke Weine hervorgebracht. Die Rieslinge sind sehr mineralisch und geradezu knackig, die weißen Burgunder fein saftig und elegant. Auch die Sauvignon Blanc – wie man sie in besonderer Qualität beim Weingut Genheimer Kiltz in Gutenberg bekommt – sind sehr frisch und präzise. Insgesamt merkt man in den Weißweinen viel Terroir in diesem Jahr, eine Stärke der Nahe mit ihrer Vielfalt an Böden. Besonders gut haben uns wieder einmal die ausdrucksstarken Sekte von Heiko Bamberger aus Meddersheim gefallen, die sehr aromatisch, animierend und fein sind; dass die Bambergers in Zukunft einen (noch) größeren Fokus auf die Schaumweinproduktion legen wollen, erscheint folgerichtig, da die Nachfrage nach deutschen (Spitzen-) Sekten stetig wächst.
Ein Geheimtipp als verlässliche Quelle für geschliffenen Riesling ist das kleine Weingut von Holger Alt. Seine Weinberge in Monzingen haben stark unter dem Frost gelitten, dafür sind die geringen Mengen, die er produziert hat, in diesem Jahr besonders fein. Markus Hees aus Auen beweist einmal mehr, dass er sowohl von Riesling als auch von Weißburgunder viel versteht, die ganze Kollektion überzeugt. Eine Vielfalt an aromatischen, ausgewogenen und charaktervollen Weinen präsentiert das Demeter-Weingut Zwölberich in Langenlonsheim, das unter neuer Führung durchstarten möchte. Ein starkes Debüt gibt Viktoria Peitz mit ihrer Vi.P-Weine genannten Linie. Stark sind auch die Weine der Familie Sinß aus Windesheim. Ob Riesling oder weiße und rote Burgunder, alle Weine sind fein balanciert, ein Geheimtipp ist die aromatische Scheurebe.
Bei den Spitzenweingütern herrscht in diesem Jahr im Gesamtbild Gleichstand. Frank Schönlebers Große Gewächse überzeugen ebenso wie alle anderen Rieslinge seiner Kollektion mit ihrer kristallinen, mineralischen Art. Bei Tim Fröhlich bekommt man neben den gewohnt frischen und präzisen Rieslingen auch sehr feine weiße Burgunder mit eigener Handschrift. Das Weingut Dönnhoff wurde in diesem Jahr besonders hart vom Frost getroffen. Umso beachtenswerter was Cornelius Dönnhoff präsentieren konnte. Seine filigranen Großen Gewächse aus der Hermannshöhle und aus dem Dellchen sowie die beiden prächtigen Spätlesen ragen bei den Spitzenweinen an der Nahe ein kleines Stück hervor.