Schon im vergangenen Jahr hatten wir an dieser Stelle von dem Trend berichtet die Bereichsnamen wie Kaiserstuhl, Markgräflerland, Breisgau oder Tuniberg stärker in den Vordergrund zu stellen, und dies nimmt weiter rapide zu. Die Dachmarke Baden ist nachhaltig beschädigt, was verstärkt wurde durch eine von Vielen als anachronistisch empfundenen Weinwerbung. Deutscher Wein steht unter Druck, und in Baden ist dieser Druck besonders hoch, auch weil der genossenschaftliche Anteil in Baden besonders hoch ist. Immer mehr Winzer geben auf – oder fangen an! Auch in diesem Jahr haben wir wieder eine Vielzahl an Neuentdeckungen zu vermelden, und oft sind es ganz junge Betriebe.
Selbst in der Ortenau sind wir fündig geworden, einer Region, die in diesem Jahr vor allem mit Insolvenzen für Schlagzeilen gesorgt hat. Philipp Reiß erzeugt spannende Weine in Steinbach, von Riesling, Blaufränkisch und Pinot Noir, aber auch Cidre. Auch Daniel Baumann in Kappelrodeck hat den Schritt in die Selbständigkeit gewagt, sein Granit-Pinot Noir hat uns besonders gut gefallen.
Maxence Lecat wohnt in Schutterwald, seine Trauben aber bezieht er aus dem Breisgau: Mit seinem Black Chardonnay hat er es auf Anhieb in unser bundesweite Chardonnay-Finale geschafft. Hervorragenden Chardonnay und Pinot Noir findet man auch bei Lorenz Ritter in Kendringen, die Weine erinnern sehr an seinen Lehrbetrieb in Malterdingen.
Auch am Kaiserstuhl gibt es viele Neugründungen, die es angesichts der Vielzahl an Top-Betrieben dort vielleicht etwas schwerer haben Aufmerksamkeit zu finden als in den anderen badischen Weinbaubereichen. Peter Strohm in Achkarren hat ganz starken Chardonnay und Pinot Noir, was auch für das Ihringer Weingut Sexauer gilt, und in Oberbergen erzeugt Heidi‘s Heaven spannende Naturweine.
Im Markgräflerland stellen wir Wilhelm Berner aus Mauchen erstmals vor, und mit dem Pfaffenweiler Weinhaus auch eine Genossenschaft, im Kraichgau das Staatsweingut Karlsruhe-Durlach.
Und es gibt viel Aufsteiger in der Region, fast alle unsere Neuentdeckungen vom vergangenen Jahr haben weiter zugelegt, Roberto Raspini ebenso wie Max Geitlinger, Ingo Ehret, Jörg Wiedemann oder das Weingut Kalkwerk Istein. Mächtig zugelegt haben Johannes Landerer in Oberrotweil am Kaiserstuhl sowie Severin Stich und Sabeth Sedlatschek vom Weingut Gebrüder Mathis in Merdingen am Tuniberg. Und auch in die absolute Spitze ist Bewegung gekommen: Markus und Andreas Klumpp in Bruchsal im Kraichgau sind besser denn je, bei allen Rebsorten, Fritz Waßmer in Schlatt im Markgräflerland stellt eine unfassbare breite Palette an hervorragenden Weinen, und Konrad Schlör in Reicholzheim macht zwar nun weniger, aber das immer noch besser.
Am Kaiserstuhl ist das Weingut Abril besser denn je, im Markgräflerland bringt sich das Privat-Weingut Schlumberger-Bernhart in Stellung, und auch das Weingut Schlumberger ist besser denn je, aber auch sonst gibt es bemerkenswerte Aufsteiger wie Holger Dütsch in der Ortenau, Hans Rebholz am Bodensee oder Kilian und Martina Hunn am Tuniberg.
Mit Pinots haben badische Winzer früher geglänzt, sie haben immer unsere Schlussverkostungen dominiert, ob bei Weißburgunder oder Grauburgunder, Spätburgunder oder Chardonnay. Und sie glänzen immer noch, stechen aber nicht mehr so hervor, seit andere deutsche Weinbauregionen mächtig aufgeholt haben. Beim Grauburgunder war es früher selbstverständlich, dass alle Spitzenplätze von badischen Weinen belegt wurden, anfangs fast ausschließlich von Kaiserstuhl-Grauburgundern; und wundern uns selbst, wenn wie in diesem Jahr zwei Württemberger ganz oben stehen. Bei Weißburgunder und Chardonnay ist die Konkurrenz nochmals größer geworden, die badischen Top-Weine kommen in diesem Jahr aus dem Breisgau (Weingut Wöhrle) und aus dem Kraichgau (Weingut Klumpp).
Mit Spätburgunder wird Baden immer stärker, aber da auch die anderen deutschen Weinbauregionen mächtig aufgeholt haben, ragen sie nicht mehr so hervor wie früher. Konrad Salwey und Julian Huber haben besonders faszinierende Weine in diesem Jahr, eine breite Palette an Spitzen-Pinots bieten auch Martin Waßmer und Joachim Heger, im badischen Norden glänzen Konrad Schlör und die Brüder Klumpp. Und ob Syrah einmal eine wichtige Ergänzung oder gar eine Alternative sein kann, das wird die Zukunft erweisen, einige enorm spannende Weine gibt es bereits.