2024 war ein herausforderndes Jahr im Anbaugebiet Mosel. Der Frost traf die Winzer in ganz unterschiedlichem Maße, aber manchen Betrieb vor allem an Saar und Ruwer so drastisch, dass kaum etwas erzeugt werden konnte. Das eine oder andere renommierte Gut fehlt also in diesem Buch, während andere Winzer lediglich ein knappes Programm in kleinen Mengen erzeugter 2024er vorstellten oder ohnehin erst den Jahrgang 2023 präsentierten. Spät dran war beispielsweise der Karthäuserhof, für uns der Aufsteiger des Jahres, der sich mit spannendem Schaumwein, mit dem sehr gelungenen 2023er Riesling Großes Gewächs, aber auch mit sehr feinem Kabinettriesling profilierte. Das Weingut Rinke wiederum kaufte kurzerhand und ausnahmsweise Trauben in Rheinhessen zu, die an der Mosel ausgebaut wurden und sehr Beachtliches ergaben. Mangels aktueller Weine stellte das Dominikanergut Gereiftes vor – darunter einen ausgezeichneten 1994er und den immer noch Spaß machenden 1976er. Auch von der Mittelmosel wurden hier und da ältere Weine eingeschickt. Johannes Haart präsentierte etwa einen 2020er aus Piesport, der eine spannende Würze besaß und bewies, wie gut Rieslinge von hier reifen können. Nik Weis lässt sich ohnehin gern Zeit, um seine Großen Gewächse auf den Markt zu bringen; die vorgestellten Weine aus dem Jahrgang 2023 sind sehr präzise, interpretieren die Lage nachvollziehbar.
Doch auch die vorgestellten 2024er überzeugten in vielen Fällen. Wo die wetterbedingten Einbußen beherrschbar waren, entstanden feine, kühlfruchtige, frische Rieslinge mit Zug. Die Säure ist nicht so knackig, wie es beim 2021er oft auszumachen war, und die Balance stimmt häufiger als beispielsweise im Jahrgang 2010. Erben von Beulwitz hat die präzise, duftige Ruwer-Art auch in diesem Jahrgang bewahren können. Andere gelungene trockene Rieslinge aus 2024 wurden von Fritz Haag und Schloss Lieser, von Clemens Busch oder, in einem unnachahmlichen, ganz und gar unaufgeregten Stil, von Franz-Josef Eifel gefüllt. Auch die Großen Gewächse von Markus Molitor sind unter den trockenen Top-Rieslingen des Jahrgangs 2024 zu nennen, seine Spezialabfüllungen, etwa aus dem Bernkasteler Doktor, überzeugten erst recht. Sehr gut gefallen hat uns zudem, was der Nachwuchs erreichte. Tim Thesen aus Schweich beeindruckte mit präzise gearbeitetem Riesling, Tobias Lorenz und Michael Scholtes, beide aus Detzem, punkteten mit geschlossenen Kollektionen. Und Alexander Löhr aus Alken, einer der talentiertesten Jungwinzer der Mosel, stellte neben frischen 2024ern auch sehr feine 2023er vor.
Rotweine sind an der Mosel stärker denn je ein Thema, denn immer mehr Winzer verstehen sich auf die Balance zwischen Frucht und Fass. Das Dominikanergut hat Talent, der Heinrichshof versteht sich auch auf Spätburgunder, und das Weingut Pauly hat noch nie so feinen Spät- respektive Frühburgunder erzeugt wie dieses Mal. Einer der großen Spezialisten der Rotweinbereitung an der Mosel hat ebenfalls weiter zugelegt: Peter Regnery beherrscht nicht nur Spätburgunder, sondern auch Cabernet Sauvignon und Syrah.
Schließlich ist 2024 auch ein Jahr der mehr oder weniger süßen Weine. Im Kabinettbereich muss man das hervorheben, was Julian Haart erzeugt hat; auch Christoph Loewen hat in diesem Bereich Spannendes gefüllt. Christoph Eifel schließlich konnte Spätlese bis Beerenauslese erster Güte erzeugen. Im Weingut Loersch wurden ungeheuer saftige Rieslinge auf die Flasche gefüllt, und die Spät- und Auslesen des Weinguts Selbach-Oster sind den Kauf mindestens im gleichen Maße wert. Markus Molitor ist wie immer mit einer Fülle an Auslesen vorn mit dabei, und Nik Weis konnte nicht nur tolle Auslesen und einen Eiswein aus dem Jahrgang 2024 keltern, sondern stellte auch zwei grandiose 2023er Trockenbeerenauslesen vor.