Entgegen dem bundesweiten Trend wächst die Rebfläche in Rheinhessen weiterhin – und auch die Erträge haben sich nach dem vom Hagel geplagten 2023er Jahrgang erholt. Zwar hatten viele Betriebe erneut mit Spätfrost zu kämpfen und nicht alle Weine konnten wie im Vorjahr produziert werden, doch die Qualitäten, insbesondere in der Spitze, sind beeindruckend hoch. Im weißen Bereich setzen die Rieslinge weiterhin Maßstäbe. In unseren Schlussverkostungen stehen sie regelmäßig ganz oben – nicht nur dank Altmeistern wie Wittmann, sondern auch durch die konstant starke Präsenz von Bischel, Knewitz, Braunewell und Wagner-Stempel. Karl May und Weinreich rücken ebenfalls immer näher an die Spitzengruppe heran. Darüber hinaus machen auch Betriebe wie Becker-Landgraf, Frey und Engel mit spannenden Rieslingen zunehmend auf sich aufmerksam.
Auch bei den weißen Burgundersorten bleibt Rheinhessen vielseitig: Besonders hervorzuheben sind Chardonnay von Bischel, Knewitz, Wittmann und Milch, aber auch Moritz Kissinger setzt mit seiner naturweingeprägten Stilistik deutliche Akzente. Beim Weißburgunder liegen Bischel und Kissinger vorne, daneben haben auch Betriebe wie Neef-Emmich und Hofmann in diesem Jahr ganz starke Weine. Auch Sauvignon Blanc wird wichtiger, bei dem Weedenborn einmal mehr seine klare Spezialistenrolle bestätigt, während auch Hofmann und Peth-Wetz sehr überzeugende Weine vorgestellt haben.
Im roten Segment zeigt sich Rheinhessen spannender denn je. Besonders die Spätburgunder von Bischel, Braunewell, Thörle und neuerdings auch Knewitz belegen, dass die Region längst nicht nur im Weißweinbereich zur Spitze gehört. Daneben sind auch die internationalen roten Sorten eindrucksvoll: Peth-Wetz bleibt mit seinen kraftvollen Bordeaux-Cuvées und weiteren Rotweinen einzigartig, diese klare Profilierung zahlt sich aus, aber auch Spiess in Bechtheim ist in dieser Kategorie stark.
Zu den Aufsteigern zählen neben Peth-Wetz auch das auf Chardonnay spezialisierte und in diesem Jahr besonders überzeugende Weingut Milch, aber auch die Weingüter Geil in Bechtheim sowie Heiligenblut in Alzey. Letzteres sorgt mit seiner auf Riesling fokussierten Kollektion für Furore, macht einen großen Sprung nach vorne, ist unser Aufsteiger des Jahres in Rheinhessen. Mit Mett & Weidenbach sowie Arndt Werner steigen zudem zwei starke Betriebe mit Fokus auf Burgundersorten auf, die gemeinsam mit Wasem und Bettenheimer die Ingelheimer Rotweintradition neu beleben. Es ist erfreulich zu beobachten, dass sich neben den genannten Betrieben eine Vielzahl weiterer Weingüter kontinuierlich positiv entwickelt, die Dynamik in Rheinhessen ungebrochen hoch ist.
Zu den Neuaufnahmen zählen die Weingüter Hamm aus Ingelheim, Kruppenbacher aus Jugenheim, Tischleder aus Bingen und Jung aus Undenheim, die ein starkes Debüt hingelegt haben. Eine besondere Entdeckung stellt „Lena macht Sekt“ von Lena Singer-Fischer dar: Sie steigt als Neuaufnahme direkt mit Höchstbewertung ein und ist gleichzeitig unsere bundesweite Entdeckung des Jahres. Damit positioniert sie sich auf Anhieb ganz vorne, hinter Weingütern wie Raumland und Braunewell, die auch in diesem Jahr die Spitze der rheinhessischen Sektszene bilden. Braunewell erhält zudem unsere Auszeichnung für die Kollektion des Jahres in Rheinhessen – aufgrund der außergewöhnlichen Bandbreite und Konstanz des Betriebes.