Die aktuelle Krise in Deutschland trifft Württemberg besonders schwer, denn der Genossenschaftsanteil ist sehr hoch und der genossenschaftliche Sektor steht besonders stark unter Druck; im Umkehrschluss heißt dies, dass es zu wenige private Weingüter gibt, die freiwerdende Flächen aufnehmen könnten, selbst im so erfolgreichen Remstal ist dies so, und bei nicht wenigen dieser privaten Betriebe dient der Weinbau ohnehin nur dazu den eigenen Besen mit Wein zu versorgen.
Das Remstal, bisher weingesetzlich im Bereich Remstal-Stuttgart zusammengefasst, darf ab 2025 offiziell die Bezeichnung „Bereich Remstal“ nutzen, was sicherlich ab kommendem Jahr so auch auf Etiketten zu finden sein wird. Das Remstal sei ohnehin durch die Nähe zum kaufkräftigen Großraum Stuttgart in einer privilegierten Situation, klagen Winzer vom Bereich Württembergisch Unterland, vergessen dabei, dass harte Arbeit hinter den Remstäler Erfolgen steht, und die Konkurrenz der vielen Spitzen-Weingüter in der Region die Weinqualität stetig nach oben getrieben hat.
Eine sehr erfolgreiche Region, wenn auch mengenmäßig nicht allzu bedeutsam, ist der Bodensee mit seinen beiden Bereichen Württembergischer Bodensee und Bayerischer Bodensee, wobei die Initialzündung für den Aufschwung der kleinen Region vom bayerischen Teil des Bodensees ausging. Jonas Kurek, Simon Hornstein (Seehaldenhof), Benjamin Lanz unser Aufsteiger des Jahres in Württemberg, aber auch Teresa Deufel, Clemens Hendriks und Claudius und Janine Haug stammen alle von hier, und mit der Bodensee Weinmanufaktur Steinhauser haben wir nun auch einen Betrieb vom Württembergischen Bodensee mit dabei.
Ansonsten sind, anders als in den letzten Jahren, die Neuen in Württemberg rar gesät, mit unserer Entdeckung des Jahres in Württemberg, mit Claudio Wieder in Stuttgart stellen wir einen Kleinbetrieb vor, dazu noch das biologisch arbeitende Weingut Wörthmann in Lauffen.
Aufsteiger haben wir einige mehr gefunden. Jens Zimmerle hat eine großartige Kollektion, ist nun ganz oben in der 5 Sterne-Kategorie angekommen, und auch Rainer Wachtstetter wird immer besser, nicht nur, aber vor allem mit Lemberger. Benjamin Lanz haben wir schon erwähnt, auch die Traubenwerkstatt von Markus Krull, Theo Doll und Ulrich Frank erzeugt spannende Weine. Beim Weingut Berthold in Neckarsulm geht es stetig voran wie bei vielen anderen Weingütern auch, oft unsere Neuentdeckungen der vergangenen Jahre.
Bei allen Rebsorten und Kategorien sind Württemberger Weingüter in der bundesweiten Spitze vertreten. Für Spitzen-Sekt steht das Weingut Aldinger nun seit mehr als einem Jahrzehnt, neu ist Hans-Peter Wöhrwag, der uns erstmals überhaupt Sekt präsentiert hat, zwei beeindruckende Meunier-Sekte aus dem Jahrgang 2016.
Beim Riesling sind Schnaitmann und Aldinger wieder besonders stark, auch Haidle und Heid spielen ganz oben mit, Wöhrwag ist besser denn je. Bei den Burgundersorten, und wir schließen Chardonnay großzügig mit ein, herrscht keine Einigkeit, auf welche der Rebsorten sich Württemberg konzentrieren sollte. Wöhrwag ist besonders stark beim Weißburgunder, auch Dautel und Kurek spielen ganz oben mit, Aldinger glänzt mit Chardonnay, auch Heid, Kurek und Kusterer spielen in der Champions League, und nicht zum ersten Mal überraschen Württemberg Weingüter beim Grauburgunder: Mit Schnaitmann und Zimmerle haben sie gleich die ersten beiden Plätze in unserer Finalverkostung belegt.
Beim Lemberger ist es klar, dass Württemberg Spitze ist, die Qualität legt stetig zu. Christoph Klopfer war wieder an der Spitze mit dabei, auch Jens Zimmerle, Rainer Schnaitmann und Rainer Wachtstetter, auch Moritz Haidle und Hans-Peter Wöhrwag finden sich in der Spitze.
Beim Spätburgunder mischt inzwischen Jonas Kurek an vorderster Front mit, Rainer Schnaitmann ja sowieso. Aber die Vielfalt an roten Rebsorten ist so groß wie wohl in keinem anderen deutschen Anbaugebiet, und von vielen dieser Rebsorten gibt es auch Top-Weine in Württemberg, so von Syrah (Heid), Cabernet Franc (Kusterer), Cabernet Sauvignon (Jürgen Ellwanger) oder Zweigelt (Jürgen Ellwanger, Zimmerle). Besonders faszinierend war in diesem Jahr Württemberger rote Cuvées, allen voran von Jens Zimmerle (Age, Triologie), aber auch Hans-Peter Wöhrwag hat großartige Cuvées (X, Philipp), dazu Jürgen Ellwanger (Nicodemus), Christoph Klopfer (Modus-K), Maximilian Kusterer (Mélac) und viele andere mehr.